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Förderverein Wildtierrettung Tellingstedt e.V. - Erfahrungsbericht

16. 07. 2020

Seit zwei Jahren bin ich im Förderverein Wildtierrettung Tellingstedt e.V. Mitglied und dort als Drohnenpilot und Sucher in der Kitzrettung aktiv.

Beide Tätigkeiten beginnen mit dem frühen Aufstehen, da wir uns in der Regel um 04:00 Uhr treffen und mit bestehender Nachtflugerlaubnis mit der Suche beginnen. Zu dieser Zeit haben wir noch sehr gute Möglichkeiten, warme Körper (Rehe, Kitze, Hasen, Bodenbrüter) mit unserer Wärmebildkamera an der Drohne zu finden.

 

Der Sucheinsatz:

Ein Kitzrettungsteam besteht bei uns in der Regel aus dem Piloten, der die Drohne steuert und gleichzeitig das Wärmebild auf dem Monitor der Drohnenfernsteuerung beobachtet und einem Assistenten, der das Wärmebild auf einem zweiten Monitor verfolgt.

Dazu kommen je nach Größe der abzufliegenden Koppel mindestens zwei bis drei oder mehr Sucher. Diese positionieren sich auf Anweisung des Drohnen Teams entlang der abzusuchenden Fläche.

Sobald der Drohnenpilot mit seinem Assistenten einen Wärmepunkt auf den Monitoren sieht, wird die Drohne über dem Punkt in Parkposition gebracht und per Walkie-Talkie wird der Sucher, der der Drohne am nächsten steht, zu dieser geschickt. Sobald er ebenfalls von der Wärmebildkamera erfasst wird, kann er vom Piloten oder Beobachter über Funk schrittgenau direkt zum Ziel geführt werden.

 

Erlebnisbericht:

Jetzt kommt der spannende Augenblick, denn das gesamte Team möchte natürlich wissen, um was es sich nun wirklich handelt. Noch hat sich der Punkt auf dem Bildschirm nicht bewegt und es sind nur noch wenige Schritte für die Sucher. Doch dann springt der Hase aus der Sasse und flüchtet.

Die Drohne begibt sich wieder auf ihren Weg nach Wärmepunkten und die Sucher werden noch zu verschiedenen Wärmequellen geschickt. Entweder handelt es sich wieder um einen Hasen, der flüchtet oder einen verlassenen Liegeplatz eines Rehs.

Auf ihrer letzten Bahn findet sich noch ein kleiner weißer Punkt, ca. 15 Meter von unserem Standpunkt entfernt, in unmittelbarer Nähe unserer Fahrzeuge. Unter Zuruf werden Sucher zu ihm geschickt. Beim langsamen Nähern erkennen sie ein Kitz. Mit einem beherzten und gekonnten Griff wird es aus dem hohen Gras geborgen und mit fiependen Protest in eine geräumige, mit Gras gepolsterte Transportbox verfrachtet. Diese wird jetzt an einen Platz unter den Bäumen am Rand der Koppel platziert und noch mit Gras abgedeckt. Die Box verbleibt an dieser Stelle so lange, bis die zu mähende Fläche und Nachbarkoppeln fertig abgemäht sind und das Gras gewendet ist.

Auch den erfahrenen Kitzrettern zeigte dieses Erlebnis wieder einmal, wie beharrlich die jungen Kitze trotz Aktivitäten und Geräuschkulisse in ihrer vermeintlich sicheren Deckung verharren. Dasselbe gilt natürlich auch für Junghasen.

Sie hätten sicher nur eine geringe Chance dem Mähtod zu entkommen. Im weiteren Verlauf der Kitzsuche an diesem Tag können wir noch neben weiteren Rehkitzen einen Junghasen fangen, den wir ebenfalls in eine Box setzen.

 

Ergebnisse des Jahres 2020:

In diesem Jahr begannen wir mit dem Abfliegen am 13. Mai 2020 und haben jetzt am 2. Juni den größten Anteil der abzusuchenden 2.000 ha geschafft. Zum Einsatz kamen bis zu drei Drohnen gleichzeitig mit entsprechenden Teams. Teilweise wurde auch abends geflogen.

Bis zum heutigen Tag haben wir 263 Kitze in den zu mähenden Flächen gefunden, von denen 47 sich leider dem Zugriff entziehen konnten.

Der Rekord waren 60 Kitze an einem Tag.

Leider hatten wir aber auch trotz allem Einsatz immer noch 11 Kitze, die wir nicht retten konnten. Hierbei handelte es sich sicherlich auch um solche, die geflohen waren und dann wieder zurück in die Fläche kamen.

Mit unserer Wärmekamera fanden wir auch Entengelege, die in einer Brutmaschine ausgebrütet wurden und Fasanenküken, welche Dank der Umquartierung auf den nahegelegenen Knick, mit der Henne über die gemähte Koppel liefen.

In diesem Jahr fiel uns auf, dass die Kitze einen großen Altersunterschied aufwiesen. Gegen Ende der Saison konnten wir erst vor wenigen Tagen gesetzte Kitze neben hochaktiven ohne Kitzflecken beobachten. Auch die eine oder andere dicke Ricke läuft noch herum.

Auch die Landwirte, die Mitglied in unserem Verein sind, freuen sich immer wieder über den Erfolg unserer Suche. Dieser gibt ihnen ein gutes Gefühl bei ihrer Arbeit, denn keiner sieht es gerne, verletzten Kitzen den Gnadentod zukommen zu lassen oder tot gemähte Kreaturen im Grassilo oder Heu aufzufinden.

Leider kam es gegen Ende der Saison zu einem Ausfall des Akkus in einer unserer Drohnen. Durch einen Zellenschluss ging die vorhandene Leistung innerhalb von Sekunden auf null zurück. Dadurch konnte eine kontrollierte Landung nicht mehr stattfinden und die Drohne stürzte aus ca. 30 Metern ab. Drohne und das Herzstück — die Wärmebildkamera — wurden schwer beschädigt. Wir hoffen, dass es sich nicht um einen Totalschaden handelt.

Wenn ihr mehr erfahren wollt, schaut doch mal auf unsere Website (link unten).

Rainer Krome

 

Foto: Vorschaubild zur Meldung: Förderverein Wildtierrettung Tellingstedt e.V. - Erfahrungsbericht