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Rehkitzrettung Fischerhude e. V. - Erfahrungsbericht von Sarah Meyer, 1. Vorsitzende

31. 05. 2020

Nachdem mein Ehemann, selbst Landwirt und Jäger, bereits seit vielen Jahren Rehkitze auch für andere Landwirte sicherte und ich ihn seit sechs Jahren begleite, stellten wir 2018 fest, dass die bisher erfolgreichen Vergrämungsmaßnahmen keinerlei Wirkung mehr zeigten.

 

Ich suchte einen erfahrenen Drohnenpiloten und wir gründeten eine Initiative mit privater Spendensammlung (Herr Bernd Heitmann ist unser 2.Vorsitzender des Vereins). Dadurch konnten wir Ende 2018 zwei Yuneec Typhoon H mit CGO-ET-Wärmebildkamera anschaffen, mit denen wir 2019 eine überaus erfolgreiche erste Saison der Rehkitzrettung mit Drohne absolvieren konnten:

 

Einsatztage: insgesamt 20 Einsätze vom 23.04.19 – 26.06.19; nach der Saison zwei Einsätze im Tierschutzbereich (angefahrene Katze, entlaufener Hund

Ganzjährig Infoveranstaltungen (Vitakraft-Jubiläumsfeier, Weihnachtsmarkt u.ä.)

                   

Einsatzgebiete: Fischerhude, Quelkhorn, Rautendorf, Huxfeld, Sagehorn, Backsberg, Grenze Ottersberg, Reeßum (Ausnahme zu Beginn)

                         

Einsatzfläche: mehrere Hundert Hektar, auf mehr als 57 Wiesen (zumeist mit nur einem Copter, bei Regen und ab zu hoher Wärme/zu viel Sonne Absuchen zu Fuß)

 

Funde:  41 positive Wärme-Fundstellen, davon

  • 27 Kitze gerettet
  • 14 (meist Jung-)Hasen

 

Nach der Saison dann gründeten wir einen gemeinnützig anerkannten Verein und ließen die Rehkitzrettung Fischerhude auch beim Amtsgericht Walsrode eintragen.

 

Neben dem primären Ziel der aktiven Rehkitzrettung ist unser sekundäres Ziel, die Menschen über die Problematik der Mahd aufzuklären und anderen Gruppierungen zu helfen, sich zu organisieren. Dabei haben wir bereits mehrere Gruppierungen zum Thema Copter-Wahl, Finanzierung des Projektes, Ablauf der Absuchen etc. beraten und starteten im Dezember 2019 eine Werbeaktion, für die wir Herrn Uwe Seeler gewinnen konnten!

 

Über die Niedersächsische Bingo-Umweltstiftung konnten wir die Anschaffung unseres neuen Copter finanzieren und fliegen nun aktuell die erste Saison mit unserer DJI Mavic 2 Enterprise Dual. Die Vorteile zum Vorgängermodell liegen auf der Hand: die Flughöhe, die Vorprogrammierung der Wiesen und so das Verhindern von manuellen Flugfehlern sowie die besser auflösende Kameratechnik, mit der wir sogar ein Brachvogelnest und den Eingang einer Mäusehöhle aus 25 Metern Höhe aufspüren konnten, überzeugen in vollem Maße!

 

Wir konnten in den letzten Monaten auch unser Helferteam vergrößern und fliegen zum Teil mit drei Drohnenteams an den Einsatztagen. Daher können wir mehr Hektar pro Morgen schaffen, doch leider können wir noch immer nicht alle Anfragen bedienen. Wir werden weiter versuchen, die Technik und die Teams zu verbessern und zu vergrößern!

 

Aktuell befinden wir uns mitten in der Saison. Der erste Siloschnitt ist nahezu überall durch, jetzt folgen die Heuschnitte der (meist Pferde-) Landwirte. Auch zum zweiten Schnitt haben wir den Landwirten zugesagt,  wieder über die Flächen zu fliegen, dann wird allerdings der Großteil der Arbeit aus Vergrämung bestehen. Aber auch dies ist wichtig: Im letzten Jahr fanden wir noch Ende Juni einzelne neugeborene Kitze, die definitiv noch nicht vor dem Mähwerk weggelaufen wären. Und auch die Tatsache, dass häufig mit drei Mähwerken an den Schleppern gemäht werden und sogar erwachsene Rehe vermäht werden, macht auch dann die Arbeit noch wichtig.

 

Natürlich ist das Haupteinsatzgebiet Fischerhude direkt, hier gibt es alleine 600 Hektar Grünland, welches mehrfach gemäht wird. Wir versorgen mit unseren Absuchen aber auch so gut es geht die umliegenden Ortschaften und alle uns möglichen Anfragen: Quelkhorn, Ottersberg, Otterstedt, Narthauen, Bassen, Sagehorn, Bremen-Oberneuland, Rautendorf (weitere Ortschaften sind in Planung).

 

Aktueller Stand der diesjährigen Saison (am 30.05.2020):

  • 11 Einsatztage seit dem 06.05.2020
  • 303,83 abgesuchte Hektar
  • 44 gerettete Rehkitze
  • diverse Junghasen
  • Brachvogelgelege

 

Unser Team besteht aus drei Copter-Piloten und knapp 30 Helfern. Wir fliegen meist mit den beiden DJI Mavic 2 Enterprise Dual (mit der FLIR MSX Thermalkamera), denn einer unserer Piloten hat sich dieses Modell ebenfalls angeschafft. Wenn große Einsätze anstehen, fliegt unser weiterer Pilot mit der Yuneec Typhoon H mit der CGO-ET-Wärmebildkamera.

Die Wiesen programmieren wir zuvor nach Absprache mit den Landwirten am PC ein und spielen sie auf das Bedienteil des Copters. Dort werden dann die Parameter (Kamera, Flughöhe, Geschwindigkeit und Winkel, wie die Wiese abgeflogen werden soll) eingegeben und so bereits im Vorfeld errechnet, wie lange die Absuche der jeweiligen Wiesen dauert. Anhand dessen können wir einschätzen, wie viele Teams an den einzelnen Einsatztagen benötigt werden und die Einteilung der Teams und Flächen vornehmen.

Vor Ort wird die Wiese vom Copter autonom beflogen und wir Piloten können uns auf das Wärmebild und die angegeben Temperaturen konzentrieren, pro Copter und Pilot begleiten mindestens zwei Helfer den Copter auf der Wiese und laufen quasi hinter der Fluglinie des Copters, um selbst nicht im Wärmebild zu erscheinen, aber um zügig an einer möglichen Fundstelle zu sein, die per Funk an die Helfer gemeldet wird. Der Copter-Pilot leitet dann den jeweils dichtesten Helfer an die Fundstelle, sodass dieser das Kitz vorsichtig, aber zügig mit einem Wäschekorb sichern kann. Dieser wird mit Heringen befestigt, damit weder das Kitz noch die Ricke den Korb umstoßen können. Die Landwirte werden umgehend über die Fundstellen informiert, denn danach richtet sich die Reihenfolge der anschließenden Mahd, damit die kleinen Kitze nicht länger als nötig gesichert werden müssen. Nach der Mahd ruft der Landwirt uns zurück und wir entfernen die Körbe und die Stangen, mit denen wir zuvor die Fundstellen für die mähende Person (oft mähen die Angestellten von Lohnunternehmern, nicht die Landwirte selbst) gut sichtbar gemacht haben. Die kleinen Grasinseln bleiben stehen und bieten den Kitzen den bestmöglichsten Schutz, bis die Ricken sie abholen und in ein sichereres Gebiet bringen. Dies wird zuvor alles mit den Landwirten besprochen, wenn auch die Einverständniserklärung zum Betreten und Befliegen der Flächen eingeholt wird; meist geschieht das zusammen mit der Flächenschau. Außerdem wird zu jeder Fläche von einem zuständigen Jagdpächter die schriftliche Erlaubnis eingeholt und vom Landkreis Verden liegt eine Befreiung sowohl von der LSG-VO „Wümmeniederung mit Dünen und Seitentälern“ als auch von der NSG-VO „Fischerhuder Wümmeniederung“ vor.

 

Foto: Vorschaubild zur Meldung: Rehkitzrettung Fischerhude e. V. - Erfahrungsbericht von Sarah Meyer, 1. Vorsitzende

Fotoserien zu der Meldung


Rehkitzrettung Fischerhude (06. 07. 2020)

Impressionen der Rehkitzrettung Fischerhude e. V.